Tag 10-12

Beim Erstellen dieses Blogs habe ich wirklich nicht damit gerechnet sagen zu müssen: wir schaffen es nicht bis Singapur. Corona kommt uns in die Quere, erst nach und nach und dann schlagartig. Es kündigt sich bereits bei unserer kurzen Übernachtung in Hanoi an: dort gab es einen neuen Fall. Eine Frau ist nach Vietnam geflogen und ist erkrankt. Wir denken uns nicht viel dabei und machen trotzdem unsere Tour in die Ha Long Bay, genießen jeden Moment. Doch bei der Rückreise hören wir: Ninh Binh, der Ort in den wir als nächstes wollen, hat 100 Personen in 3 verschiedenen Hotels in Quarantäne. Und wir hören: in der Ha Long Bay sind 18 Schiffe mit Touristen für 14 Tage in Quarantäne festgesetzt. Die Polizei kommt auf unser Schiff und fotografiert unsere Pässe, macht ein Gruppenfoto von uns. Wir merken, es ist angespannt.

In unserer Unterkunft schlafen die Hühner im Baum
Ein goldiger Anblick!

Wir kommen an in Ninh Binh, dort sind ähnliche Kalkfelsen wie in der Ha Long Bay, nur gibt es dort kein Meer, sondern Reisfelder. Ein bezaubernder Ort, voller fruchtbarer Natur und fast schon tropisch. Wir hören dass nach und nach alles schließen wird in diesem Ort, Touristenattraktionen, Tempel, Restaurants, Hotels,.. wir entscheiden dennoch 2 weitere Nächte zu bleiben und das beste draus zu machen. Und wir haben Glück: in letzter Minute schaffen wir es, eine Bootstour durch die Flusslandschaft von Ninh Binh zu machen, bevor am nächsten Tag alles zumacht. Es ist eines meiner Highlights dieser Reise: wir sind fast die einzigen Touristen am Wasser, unsere Rudererin lenkt uns geschickt durch Flüsse, schmale Wasserwege und: durch Höhlen! Wir fahren durch eine 1km lange Höhle und kommen aus dem Staunen nicht mehr raus. Einen eigenartigen Beigeschmack gibt es: wir sind verpflichtet Gesichtsmasken zu tragen – obwohl weit und breit keine Menschenseele zu sehen ist.

Bootstour in Ninh Binh

Nach diesem Abenteuer buchen wir einen Zug in den Süden, nach Hue für den übernächsten Tag. Aber dazu wird es nicht kommen weil uns in dieser Nacht die Nachricht von zuhause erreicht: Reisewarnung für alle Länder der Welt, so schnell wie möglich die Rückreise antreten. Schweren Herzens buchen wir schon für den nächsten Abend und so schnell ist es vorbei, unser Abenteuer Asien.

Einen Schreckmoment gibt es noch am Tag unserer Abreise: einige vietnamesische Polizisten kommen in unser Hotel und sehen sich die Personalien aller Gäste an. Mir wird schwummrig – was wenn wir jetzt doch noch in vietnamesische Quarantäne kommen und damit die Möglichkeit verpassen nachhause zu können? Ich vereinbare mit mir selbst, wenn wir sicher nachhause kommen werde ich in die freiwillige Heimquarantäne gehen. Die Polizisten fahren wieder, ohne weiteres Kommentar. Alle Gäste atmen erleichtert auf.

Manche halten sich sehr fleißig an den Schutz vor Viren und den 1 Meter Sicherheitsabstand
Cheers: auf die sichere Heimreise

Der Flug wird anstrengend und vor allem die Gesichtsmaske nervt: man schwitzt damit sehr viel mehr als sonst und es gibt ein ungutes Gefühl. Trotzdem haben wir sie die meiste Zeit unserer 18stündigen Heimreise auf. Bei unserem Zwischenstopp in Bangkok wartet auf mich das letzte Highlight meiner Reise: ich treffe meine Schwester am Flughafen, sie war auf einer Hochzeit in Kambodscha und fliegt ebenso wie ich überstürzt nachhause. Leider haben wir unterschiedliche Flüge und sehen uns erst 13 Stunden später in Schwechat wieder. Wenn das Flugzeug beim Hinflug nach Vietnam sehr leer war, so ist es nun umso voller: sämtliche heimkehrende Asientouristen fliegen mit uns, sicher sind auch viele von ihnen der Reisewarnung gefolgt, sehr viele tragen Masken. Ich versuche die Zeit so gut wie möglich zu überstehen und weiß nicht was ich denken soll: von Traurigkeit dass es jetzt schon zuende ist bis hin zur Dankbarkeit, diese Tage erlebt haben zu dürfen. What an adventure, indeed..

Tag 7-9

Wir verlassen Sapa, aber vorher heißt es noch Haare ab für Juanita. Auf der Dachterrasse unseres Hostels kommen ihre Dreadlocks ab und so hat sie ab sofort eine Glatze und sieht aus wie ein Mönch. Wir fahren wieder mit einem Liegebus nach Hanoi zurück und beziehen dort unser eher heruntergekommenes Hostel in dem nichts funktioniert. Langsam kommt der Wunsch auf, an einem Strandort gemütlich zu relaxen aber noch ist es nicht so weit.

Am Tag darauf starten wir früh morgens mit unserer Tour Richtung Halong Bay. Wir wollten eigentlich eine andere Tour machen, aber Cat Ba island ist wegen Corona gesperrt und so müssen wir ausweichen. Wir fahren mit unserem Schiff an den Kalkfelsen vorbei und es wird immer wildromantischer. Wir werden kajaken, über einen verlassenen Strand radfahren, eine Höhle besichtigen und wirklich köstlich zu essen bekommen. In der Nacht wenn sich der Nebel über die Bucht senkt in der wir ankern, wird es richtig gespenstisch.

Wir schlafen auf dem Schiff und am nächsten Tag kommt Teil 2 der Tour. Dafür ändert sich die Gruppe ein wenig, zwei Pärchen aus England und Polen verlassen uns, zwei deutsche Freundinnen bleiben mit uns für Teil 2. Und wir bekommen Gesellschaft von einer Gruppe – sagen wir – Internetstars. Damit wird leider alles anstrengender, aber auch amüsant. Eine Instagramerin/Travelbloggerin ist mit an Bord, sie hat einen Kameramann mit dabei und 3 Follower die sich für die Reise bewerben konnten und gewonnen haben. Hier spielt sich ein Drama ab sondergleichen, die eine hätte gerne mehr Aufmerksamkeit vom Internetsternchen und fühlt sich unfair behandelt, der andere hat eine Lebensmittelvergiftung von der Küche an Bord. Alles wirkt aufgesetzt und unecht während wir das Boot zwei Mal stoppen müssen um eine Drohne starten und wieder landen zu lassen. Auch beim Kajakfahren verfolgt uns die Drohne und drängt der schönen Aussicht in der Natur ihr eigenartiges Gebrumme auf. Das ist so gar nicht unsere Welt und wir sind schnell recht genervt von allen Extrawürstchen die ständig gebraucht werden. Nunja, Lästerschwester Nina hatte bei dem allen aber auch ihren Spaß.

Tag 5 & 6

Endlich: wir fahren nach Sapa, in die nordvietnamesischen Berge, zu den Reisfeldern.
Auf dem Weg dorthin erleben wir eine Überraschung: unser Bus hat keine Sitze sondern Liegen und wir können, obwohl wir am Vormittag fahren, fast durchgehend schlafen. Zusammengequetscht zu dritt liegen wir im hintersten Winkel und lassen die Landschaft an uns vorbeiziehen.

Schon lange wollte ich das sehen, wohin wir jetzt unterwegs sind, meine Vorfreude ist riesig. Und wird nicht enttäuscht. In Sapa haben wir im Hostel jeder unsere eigene Schlafkapsel mit Heizmatratze, vom Zimmer aus fantastische Aussicht hinunter ins Tal und auf den Berg Fansipan. An unserem zweiten Tag in Sapa wird Juanita den Berg bezwingen, 1400m hinauf und wieder hinunter. Karin und ich nehmen den Zug und die Gondel. Das Karma straft unsere Gemütlichkeit: oben angekommen sehen wir fast nichts weil die Bergspitze fast völlig im Nebel versinkt, vorher und nachher ist oben hingegen beste Aussicht. Das ist schade, weil wir sind am Dach Indochinas, dem höchsten Berg der Region mit über 3000m Höhe. Das was gelegentlich durch den Nebel blitzt ist atemberaubend.


Wieder im Tal machen Karin und ich einen Abstecher zum Tal der Reisfelder. Wir bestaunen die Aussicht und ich bin glücklich.

PS
Die Kampagne #EuropeansforHumanity startet jetzt, und ich freue mich über jeden der sie auf verschiedenen Wegen teilt. Es ist wirklich wichtig hier nicht wegzusehen. Erst letztes Wochenende ist ein headquarter einer Schweizer NGO auf Lesbos abgebrannt – vermutet wird Brandstiftung. Please share!

Facebook: http://Facebook.com/europeansforhumanity

Petition:

http://chng.it/JfS5ktYQSw

Tag 4

Unser letzter Tag in Hanoi, heute werden wir die Stadt zufuß erkunden: wir gehen bei einer free walking tour mit und sehen erneut für uns sehr Ungewöhnliches. Wir kommen an einen Markt, an dem auf dem Straßenrand Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch, Gewürze und uns Unbekanntes angeboten werden. Tierfreunde haben es hier schwer – nicht wenige der Tiere leben noch, obwohl ihnen sichtbar schon sehr viel Leid zugefügt wurde.

In einer großen und unüberblickbaren Markthalle nehmen wir enge Wege durch getrocknete Meeresfrüchte, frisches Obst, trockene Wurzeln und Kleidungsstände. Dabei ist es unmöglich links und rechts nicht anzustoßen, geschweige denn jemanden zu überholen.
Die Tour führt uns weiter zu einem Wahrzeichen der Stadt, einer eisernen, verrosteten Brücke auf der Mopeds und der Zug fahren.

Später am Tag, schon nach der Tour, wagen wir was man als Tourist in Hanoi scheint’s getan haben muss: die Train Street besuchen, eine enge Straße mit Cafés links und rechts, durch die mehrmals täglich ein Zug auf gefährlich engem Raum brettert. Touristen wie wir werden schon bei einer angrenzenden Straße abgeholt und ins Café gebracht – auf eigene Faust die Train Street zu betreten ist mittlerweile verboten. Wir sitzen daher auf kleinen Plastikstühlen vor den Gleisen, in der Tür einer älteren Frau die uns Getränke serviert und in ihrer Wohnung ein kleines Café organisiert hat, um internationale Gäste von der Straße auf die Train Street einzuladen. Seltsame Welt, aber wir fügen uns und geben uns dieser Touri-Erfahrung hin. Am Heimweg habe ich, nachdem einige von uns bestellte Taxis nicht kommen, einen leichten Einbruch und habe genug von der durch die Abgase der Mopeds verseuchte Luft die uns umgibt. Es wird Zeit für uns, Hanoi zu verlassen und wir freuen uns auf unsere Fahrt in den vietnamesischen Norden am nächsten Morgen.

Tag 3


Ein neuer Tag in Hanoi: Nachdem wir uns halbwegs in der Stadt orientiert haben beginnen wir unsere kommende Zeit zu planen. Wir suchen nach einer geführten Tour Richtung Halong Bay und wollen verschiedene Angebote vergleichen. Der Weg zur ersten Reiseagentur ist abenteuerlich: wir suchen bei der angegebenen Adresse und werden nicht fündig, bis uns ein älterer Herr anspricht und uns die Visitenkarte dieser Agentur zeigt. Er ruft eine Telefonnummer an mit der wir kurz sprechen und wenig später holt uns eine Frau auf einem Moped ab und bittet uns ihr nachzugehen. Wir folgen also einem fremden Moped für eine Weile und sind dabei als Fußgänger wieder gewohnt vorsichtig auf den Hanoier Straßen. Sie erklärt uns es gäbe 2 Straßen mit dem selben Namen und Google Maps hat nach mehrmaligem Anfragen den richtigen Standort nie aktualisiert. Es erweist sich jedenfalls, dass wir nicht zu früh zu skeptisch sein sollten, denn die Tour sieht aus wie das was wir suchen.

An diesem Abend besuchen wir außerdem das bekannte Wasserpuppentheater und finden es großartig. Mit sehr viel Liebe fürs Detail und vietnamesischer Musik (ich kenne außer den Trommeln keines der Musikinstrumente) begeistert das Theater das internationale Publikum und uns darunter. Danach geht es in die Planung für unseren nächsten Stopp: Sapa und Nordvietnam. Wir buchen den Bus und setzen uns in ein Cafe, wo wir vietnamesischen Tee bestellen. Die Besitzerin dort serviert uns Tee und will kein Geld von uns, sie will uns loswerden und schließen und wir befürchten schon dass sie uns als Virenträger des Coronavirus wahrnimmt und uns deswegen so hartnäckig hinausmanövriert.
Abends treffen wir uns noch mit einem Freund von Juanita, er lebt in Vietnam und erklärt uns, dass man vietnamesischen Tee immer kostenlos zu den anderen Getränken bekommt, wir also nichts Kostenpflichtiges bestellt hatten. Ups

Insgesamt sind hier wie erwartet sehr viele Menschen mit Gesichtsmaske unterwegs. Irgendwann nehme ich das gar nicht mehr so recht wahr. In Vietnam hat es bisher nur 16 auf Covid-19 positiv Getestete gegeben, alle wieder gesund und keine Todesfälle. Ob das allerdings so stimmt, so direkt an der Grenze zu China, sind wir uns nicht ganz sicher.

PS
Meine Freundin hat Lesbos mittlerweile verlassen und startet eine internationale Kampagne für europäische Solidarität und Humanität gegenüber flüchtenden Menschen. Bald wird sie online gehen und auch viele bekannte Persönlichkeiten involvieren. Ich informiere darüber in den nächsten Tagen.

Tag 2

Mittlerweile sind wir in Hanoi angekommen. In unserem übernächtigen Zustand war die Taxifahrt schon ein Erlebnis für sich, das abenteuerliche Straßenleben mit Mopeds, Autos und sonstigen Gefährten erscheint extrem stressig. Wir lassen unser Gepäck im Hostel und können leider noch nicht Einchecken – irgendwie müssen wir die nächsten 3 Stunden bis zum Check-in überbrücken. Auf dem Weg zum von der Rezeption empfohlenen Cafe sind wir heineingeworfen in den Straßenverkehr der Hanoier Altstadt, Mopeds von allen Seiten, dazwischen Autos und Fahrräder und lautes Gehupe. Wir sind zu zweit unterwegs und passen aufeinander auf, erleben trotzdem einige Nahtoderfahrungen durch Moped links und Moped rechts. Gehsteige gibt es aber sie sind vollgepackt mit Mopeds und Ständen von Straßenverkäufern. Nach einem anstrengenden Weg kommen wir im Cafe an, sitzen dort auf Miniatursesseln und beäugen skeptisch egg coffee, egg coca cola, egg matcha tea. Noch sind wir zu müde für ein kulinarisches Experiment. Und es geht weiter, wir gehen zum See und genießen die kühle Brise in der nassfeuchten Luft. Dann geht’s nachhause und wir checken ein. Und endlich endlich gehen wir schlafen. Es ist 14uhr in Hanoi und 8uhr morgens in Wien und wir haben Schlaf dringend nötig.

Am Abend kommt Juanita, eine Freundin aus Jugendzeiten, dazu und ab jetzt sind wir zu dritt für unsere Zeit in Vietnam. Wir gehen essen und lassen den Abend gemütlich ausklingen, noch ganz ungläubig über die Tatsache in Hanoi zu sein und uns hier getroffen zu haben.

PS
Auch jetzt beende ich meinen Beitrag mit einem Update aus Lesbos. Meine Freundin auf Lesbos benötigt für einen Fernsehbeitrag dringend Bilder aus Moria, dem berüchtigten Flüchtlingslager, das ich kürzlich besucht habe. Ich frage bei der Rezeption nach einem Computer – es gibt aber nur den hoteleigenen der Rezeption. Sie lassen mich diesen benützen und so kann ich vom USB-Stick über wetransfer Bilder nach Europa übermitteln. Die Nachrichten die mich von dort erreichen sind furchterregend und ich bin sehr besorgt um meine Freundin, die mittlerweile namentlich bekannt ist unter Rechtsradikalen auf der Insel und um ihr Leben fürchten muss. Sie gibt heute ein Fernsehinterview und braucht dafür die Bilder. Was sie tut beeindruckt mich über alle Maßen.
Um ihr Leben nicht zu gefährden wird auch sie bald die Insel verlassen, so wie alle anderen Freiwilligen. Das ist die Konsequenz der Schließung aller NGOs auf der Insel, die aus Sicherheitsgründen passiert um die freiwilligen HelferInnen zu schützen. Das bedeutet für alle Flüchtlinge auf der Insel, das sie ab jetzt in jeder Hinsicht auf sich selbst gestellt sind.

Tag 1

Es geht los, der Beginn von etwas Neuem und Unbekanntem, etwas Gutem und Aufregendem. Ich fliege nach Asien, toure von Hanoi, der Hauptstadt Vietnams über Kambodscha, Thailand, Malaysia bis nach Singapur. 12kg am Rücken, unzählige Erledigungen hinter mir und an der Seite meiner Volksschulfreundin Karin. Der Flug geht vorerst nach Bangkok, dort steigen wir um in den Flieger nach Hanoi. Schon beim Gate fällt auf: ausgesprochen wenige Menschen fliegen mit uns. Wir sind in einem Flugzeug mit üblicher Größe für einen Langstreckenflug, mit 9 Sitzen pro Reihe. Schon beim betreten des Flugzeugs begrüßen uns zwei Flugbegleiterinnen mit gefalteten Händen und einer sanften Verbeugung. Auf ihren Gesichtern Schutzmasken, die Hände die nach unseren Tickets greifen tragen Plastikhandschuhe. Ein seltsames Gefühl, fast so als würde ich mich in Quarantäne befinden oder den Ort meiner Kasernierung eben betreten.
Und im Flugzeug bestätigt sich was wir draußen schon gesehen haben: kaum Menschen. Die Kapazitäten sind maximal zu einem Fünftel ausgeschöpft. Für uns wenige Passagiere ist das natürlich super: ausgiebig Platz. Ich strecke mich also auf 3 Sitzen aus, habe 3 Decken und 3 Polster zu Verfügung. Die ganze Reihe ist sonst leer. Viele tragen Gesichtsmasken und als ich plötzlich herzhaft niesen muss, errege ich die Aufmerksamkeit eines weiteren Passagiers: er schmunzelt und sagt, ich kenne das, ich habe Pollenallergie und löse zur Zeit in meiner Umgebung auch oft Alarm aus.
Seltsame Zeiten, in denen wir auf Reisen gehen.

PS
Während ich die Reise antrete von der ich schon lange träume, braut sich in Europa eine Krise zusammen. An der Außengrenze der EU spielen sich dramatische Szenen ab: der türkische Präsident Erdogan hat die Grenze zu Griechenland geöffnet. Die Griechen halten ihre Seite der Grenze aber geschlossen. Menschen werden mit Bussen von der syrischen zur griechischen Grenze der Türkei gebracht und es wird ihnen erklärt alles wäre offen. Frauen und Kinder, Alte und Schwache, Menschen die unmittelbar aus dem Krieg flüchten der in ihrer Heimat ausgetragen wird und ohnehin bereits schwer traumatisiert sind. Sie werden zum Spielball von Politikern und stranden an der Grenze, die für sie zur Sackgasse wird. Seit kurzem wird dort auch mit scharfer Munition geschossen.
Zeitgleich steht die Situation auf den griechischen Inseln vor der bereits lang angekündigten, unmittelbaren Eskalation. Oder vielmehr, es eskaliert bereits. Rechte Gruppierungen aus Athen haben sich unter die Bevölkerung gemischt und greifen Flüchtlinge an und attackieren freiwillige HelferInnen. Es ist die rohe Gewalt, die sprachlos macht und mit der man nicht gerechnet hat: Menschen versammeln sich an einem Pier und stoßen Menschen zurück, die versuchen von ihrem Schlauchboot an Land zu kommen. Freiwillige HelferInnen werden an der Fahrt zur Hauptstadt Mytilini gehindert – mit Schlagstöcken halten sie sie auf, springen auf Autos und schlagen darauf ein. Wenn man ein Mietauto fährt ist man leicht erkennbar als „kein Grieche“. Auch Journalisten berichten von Übergriffen, von zerstörten Kameras und brutaler Gewalt die bis ins Krankenhaus führt. Es ist eine Situation die man aus dem Geschichtsunterricht kennt und die man in der EU glücklicherweise schon sehr lange nicht mehr gesehen hat. Sie ist jetzt wieder da, die brandgefährliche Lage, in der man sich verstecken muss wenn man für die Grundrechte der Menschen eintritt.
All das im Kopf, fernab von allen aktuellen Nachrichten und in großer Sorge um meine Freundin die weiterhin auf der Insel ist, versuche ich zu schlafen am Flug in Richtung Asien.
Seltsame Zeiten, in denen wir auf Reisen gehen.