Tag 2

Mittlerweile sind wir in Hanoi angekommen. In unserem übernächtigen Zustand war die Taxifahrt schon ein Erlebnis für sich, das abenteuerliche Straßenleben mit Mopeds, Autos und sonstigen Gefährten erscheint extrem stressig. Wir lassen unser Gepäck im Hostel und können leider noch nicht Einchecken – irgendwie müssen wir die nächsten 3 Stunden bis zum Check-in überbrücken. Auf dem Weg zum von der Rezeption empfohlenen Cafe sind wir heineingeworfen in den Straßenverkehr der Hanoier Altstadt, Mopeds von allen Seiten, dazwischen Autos und Fahrräder und lautes Gehupe. Wir sind zu zweit unterwegs und passen aufeinander auf, erleben trotzdem einige Nahtoderfahrungen durch Moped links und Moped rechts. Gehsteige gibt es aber sie sind vollgepackt mit Mopeds und Ständen von Straßenverkäufern. Nach einem anstrengenden Weg kommen wir im Cafe an, sitzen dort auf Miniatursesseln und beäugen skeptisch egg coffee, egg coca cola, egg matcha tea. Noch sind wir zu müde für ein kulinarisches Experiment. Und es geht weiter, wir gehen zum See und genießen die kühle Brise in der nassfeuchten Luft. Dann geht’s nachhause und wir checken ein. Und endlich endlich gehen wir schlafen. Es ist 14uhr in Hanoi und 8uhr morgens in Wien und wir haben Schlaf dringend nötig.

Am Abend kommt Juanita, eine Freundin aus Jugendzeiten, dazu und ab jetzt sind wir zu dritt für unsere Zeit in Vietnam. Wir gehen essen und lassen den Abend gemütlich ausklingen, noch ganz ungläubig über die Tatsache in Hanoi zu sein und uns hier getroffen zu haben.

PS
Auch jetzt beende ich meinen Beitrag mit einem Update aus Lesbos. Meine Freundin auf Lesbos benötigt für einen Fernsehbeitrag dringend Bilder aus Moria, dem berüchtigten Flüchtlingslager, das ich kürzlich besucht habe. Ich frage bei der Rezeption nach einem Computer – es gibt aber nur den hoteleigenen der Rezeption. Sie lassen mich diesen benützen und so kann ich vom USB-Stick über wetransfer Bilder nach Europa übermitteln. Die Nachrichten die mich von dort erreichen sind furchterregend und ich bin sehr besorgt um meine Freundin, die mittlerweile namentlich bekannt ist unter Rechtsradikalen auf der Insel und um ihr Leben fürchten muss. Sie gibt heute ein Fernsehinterview und braucht dafür die Bilder. Was sie tut beeindruckt mich über alle Maßen.
Um ihr Leben nicht zu gefährden wird auch sie bald die Insel verlassen, so wie alle anderen Freiwilligen. Das ist die Konsequenz der Schließung aller NGOs auf der Insel, die aus Sicherheitsgründen passiert um die freiwilligen HelferInnen zu schützen. Das bedeutet für alle Flüchtlinge auf der Insel, das sie ab jetzt in jeder Hinsicht auf sich selbst gestellt sind.